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Unsere Reise beginnt am 24.07.20 in Neuhaus. Ich habe Ferien und Uwe gefühlt auch. Wir lassen das Auto zu Hause und starten auf eine kleine Weltreise mit dem Zug von Bremen über Hamburg Harburg nach Kadenberge. Dort bunkern wir Lebensmittel und per Taxi geht es damit zum Schiff nach Neuhaus. Neben uns liegen mit einem Motorboot Petra und Michael. Sie haben jahrelange Erfahrung mit Touren auf Flüssen und Seen in Deutschland. Sie erzählen lustige Geschichten über ihre Fahrten (www.ANHINGA.de).

Der Wetterbericht für den nächsten Tag ist günstig und wir beschließen uns auf den Weg nach Helgoland zu machen. Ungeduldig warten wir auf das Kippen der Tide, um ablegen zu können. Wider besseren Wissens legen wir vor dem Stillwasser ab und es passiert, was passieren muss: das Schiff stellt sich quer und nur mit voller Motorkraft schaffen wir es, das Schiff gegen die Strömung rum zu kriegen. Die Feuerleiter, die das Schiff erheblich beschädigen könnte, verfehlen wir nur um wenige Zentimeter. Als Andenken nehmen wir vom Steg eine dicke Gummispur mit. Dusel gehabt! Das Schiff ist nicht beschädigt und die Gummispur lässt sich spurlos entfernen. Wir bekräftigen unseren Schwur niemals rückwärts gegen den Strom aus einer Box abzulegen.

So beginnt unser Törn mit viele Glück und klopfendem Herzen. Sieben Stunden später erreichen wir Helgoland nach einer ruhigen Überfahrt unter Motor.Helgoland empfängt uns mit langen Päckchen, die relativ sorglos ohne Landleinen hin und her schwanken.  Als abends ein bisschen Wind aufkommt, kommt Panik auf. Die Päckchen treiben gegen einander. Wir legen gemeinsam mit anderen ab und verholen an ein kleineres Päckchen mit großen Motorbooten. Das war eine gute Entscheidung. Wir haben alle eine ruhige Nacht.

Helgoland ist immer wieder schön. Wir besuchen die Düne mit den Seehunden und Kegelrobben, suchen nach Fossilien und im Cafe am Südstrand essen wir den besten Kuchen der Welt. Die Insel ist tagsüber sehr voll, das stört uns wenig. Wir verbringen die Zeit auf dem Schiff oder der Düne und abend gehört die Insel uns. Nach vier Tagen müssen wir uns leider verabschieden und brechen auf nach Büsum. Der Hafen liegt weit außerhalb der Stadt und ist stark dem Westwind ausgesetzt. Das müssen wir in Kauf nehmen, weil wir nach Heide müssen, um Uschis Rückkehr aus dem Krankenhaus zu begleiten. Dafür bekommen wir einen Sonderpreis vom Hafenmeister – eine sehr nette Geste. Wir machen uns mit den Fahrrädern auf den Weg nach Heide und bleiben dort eine halbe Woche. Vor einer Starkwindfront ist ein Tag Südwind angesagt. Den nutzen wir, um von Büsum nach Amrum zu segeln. An der Ausfahrt aus der Süderpipe erwartet uns heftiger Seegang. Das Schiff schaukelt bei achterlichem Wind von 45 Grad links nach 45 Grad rechts. So nach Amrum – das geht niemals. Wir ändern leicht den Kurs, holen die Segel dichter und kreuzen so vor dem Wind nach Amrum. Nach zehn Stunden schaukeliger Fahrt unter Segeln erreichen wir den Hafen von Steenodde. Der Hafen ist voll und wir leiegn in Dreierpäckchen sicher am Steg. Der Starkwind kann kommen. Er kommt, aber wir liegen bestens geschützt in dem kleinen Hafen. Bei einem Gang über den Kniepsand weht uns der Sand heftig an die Beine, so dass es richtig piekst. Täglich fahren wir mit dem Fahrrad über die Insel, mal durch den Wald, mal an der Wattseite. Eine Woche lang genießen wir diese herrliche Insel – ihre weiten Strände, die tollen Dünen und die schönen Orte. Am späten Nachmittag sitzen wir gerne in einem Strandkorb in der Strandbar „Seehund“ mit einem Krabbenbrötchen und einem Aperol Spritz mit einer wunderbaren Aussicht auf den Kniepsand. Wer Amrum nicht kennt sollte das schnellstens ändern. Es ist eine wunderschöne Insel, auf der man lange Verweilen kann.

 

Das Rütergatt nach Amrum ist jederzeit bei ruhigem Wetter zu befahren. Es liegt ca. 17 Meilen vor Amrum. Die Betonnung zum Hafen ist deutlich gesetzt – zum Teil mit Priggen – und der Hafen ist fast jederzeit anzufahren. Am Längssteg liegt man im Päckchen, nur der kleine Seitenhafen mit den Boxen fällt komplett trocken. Hafenkneipe und Supermarkt sind fußläufig schnell zu erreichen. Auf dem Steg ist eine nette familiäre Atmosphäre.

Auf nach Föhr! Es sind nur 10 Meilen, die wir mit auflaufendem Wasser schnell hinter uns bringen. Im Hafen ist es ruhig, nur der Fährbetrieb ist zu hören. Das stört aber nicht. Während Amrum ländlich und gemütlich wirkt, herrscht in Wyk reges Treiben. Die Meile brummt mit Cafes, Restaurants und vielen vielen Läden, hauptsächlich Andenken- Klamottenläden. Wir holen uns ein Bier und verfolgen mit Spaß die Volleyballspiele am Strand. Die Promenade ist einige Kilometer lang und lädt zum Flanieren ein. Der Strand ist voll mit bunten Körben (1.500) und die Strandbars locken uns immer wieder mit kaltem alkoholfreiem Weizenbier. Wir verbringen Stunden mit den Füßen im Sand und schauen den Surfkursen und den Katamaranseglern zu. Auch Föhr hat schöne Dörfer mit alten Reedhäusern – das schönste ist wohl Nieblum. Der Kuchen in dem süßen Cafe bleibt unvergesslich!. Mit den Fahrrädern machen wir uns auf nach Alkersum, wo wir das schöne „Museum Kunst der Westküste“ besuchen. Die Ausstellung „Seestücke – Fakten und Fiktion“ zeigt alte und moderne Sichtweisen zu diesem Thema. (www.mkdw.de) Es hat sich geholt und ist sehr zu empfehlen!

Unseren ursprünglichen Plan weiter nach Norden zu ziehen und über den Limfjord in die Ostsee zu gehen verwerfen wir. Die Inselwelt in der Nordsee gefällt uns so gut, dass wir beschließen statt nach Norden, in den Süden auf die Ostfriesischen Inseln zu fahren – von Langeoog über Spiekeroog nach Wangeroog. Helgoland liegt auf dem Weg dorthin und nach 4 Tagen Föhr werfen wir morgens zum Sonnenaufgang die Leinen los. Die 42 Seemeilen machen wir bei ruhigem Wetter in ca. 8 Stunden. Dabei können wir viel segeln und liegen schnell wieder im Päckchen auf Helgoland. Beim Anlegen wird uns gleich angekündigt, dass die ersten morgens um 8.00 Uhr los wollen. Da sind wir dabei.

Es ist heiß – 30 Grad und mehr. Die Tour nach Langeoog zieht sich etwas, kein Wind, heiße Sonne und vor Langeoog auch noch Strom gegenan. Die Fahrt durchs Gatt ist einfach und ruhig. Jede Menge Boote liegen vorm Südstrand von Langeoog vor Anker. Es ist Wochenende und auch im Hafen ist es voll. Wir ergattern eine Box und holen uns von Ulla, der Hafenmeisterin grünes Licht, um dort ein paar Tage zu liegen. Die Boxbeschilderung ist im ganzen Hafen uneindeutig – mal ein grünes Schild mit Daten, daneben ein rotes Schild oder auch kein Schild. Hier sollte man immer Ulla fragen, die hat im Hafen das Zepter fest in der Hand. Schön ist es hier. Der Hafen ist lebendig mit netter Atmosphäre und am Deich thront wie eh und je das beliebte gute Restaurant „Kajüte“. Der Hafen fällt komplett trocken und die „Kleine Brise“ legt sich das erste Mal in den weichen Schlick. Jeden Tag machen wir eine Fahrradtour und wandern lange am endlosen Strand. In der Meierei entdecken wir, wie gut Dickmich mit Zucker und Sanddornsaft schmeckt. Das ist ab jetzt in unserem Kühlschrank.

Unseren Plan weiter über das Watt nach Spiekeroog und Wangeroog zu gehen, müssen wir leider aufgeben. Das Wattfahrwasser ist bei mittlerem Hochwasser 2,10m tief. Durch den anhaltenden Ostwind und auch noch durch die Nipptide ist der Wasserstand 50 cm niedriger. Das ist für die „Kleine Brise“ mit 1,60 cm Tiefgang zu knapp. Also bleiben wir noch ein Weilchen – nicht der schlechteste Ort dafür! Nach einer Woche lässt der Ostwind nach und wir machen uns direkt auf den Weg nach Cuxhaven. Morgens mit dem Hochwasser wollen wir raus durchs Seegatt – leider mit Komplikationen: die gesamte Navigation ist tot. Der Plotter, das Echolot und die Logge lassen sich nicht starten, sie haben keinen Strom. Uwe überlegt verzweifelt und schraubt schnell das Armaturenbrett ab, um den Fehler zu finden. Auf die Schnelle ist aber nichts zu sehen und wir müssen schnell entscheiden, ob wir fahren oder bleiben. Das Wasser läuft uns nämlich weg. Neben dem Plotter haben wir noch die Möglichkeit über das Tablet und das Handy zu navigieren. Da wir raus und auch später rein in die Elbe nach Tonnen fahren, verzichten wir auf das Echolot und legen ab. Die 56 Meilen schaffen wir in 11 Stunden – dann reicht es auch. Die Welle steht leider noch höher als gedacht und für den erhofften Elbstrom ist es zu früh. Durch das Setzen der Genua bleibt die „Kleine Brise“ einigermaßen stabil und die Fahrt ist so gut zu meistern. Gegen 20.30 Uhr erreichen wir Cuxhaven – und der Hafen ist voll, denn es ist mal wieder Wochenende. Wir finden noch eine kleine Box und kochen noch leckere Nudeln mit Pesto.

Am nächsten Tag geht die Fehlersuche weiter. Ohne das komplette Schiff auseinander zu nehmen, ist nicht auszumachen, wo der Strom unterbrochen ist. Uwe entscheidet sich ein neues Kabel zu legen. Dafür er alles an Bord. Das Kabel läuft über den Hauptschalter für Bugstrahlruder und Ankerwinsch. Das macht das ganze sicher und der Strom kann über den Hauptschalter komplett ausgeschaltet werden, wenn wir das Schiff verlassen. Es funktioniert – hurra!

   
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