Schnelle Rückfahrt

Burg (Fehmarn) – 10.9.15

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Das Schöne Wetter ist gekommen und ich habe es für einen Heimreise Marathon genutzt:

Karlskrona (25 Meilen) – Hanö (30) – Ystad (55) – Klintholm (60) – Burg (60). 230 Meilen von Karlskrona nach Burg auf Fehmarn. Davon konnte ich auf der Strecke von Ystad nach Klintholm leider nur 10 Meilen segeln. Ansonsten hat mich ein kräftiger Nordwest und Ostwind schnell vorangebracht. 

Auf Hanö habe ich noch einmal die tolle Landschaft der Insel genossen. Große Felsbrocken, vom Wind zerzauste kleine Bäume, überall grast friedlich Rotwild. Diese Insel gehört für mich zu den schönsten, die ich auf dieser Reise gesehen habe. Hanö hat einen kleinen nach Hafen mit der Einfahrt nach Nordwest. Bei viel Wind steht starker Schwel im Hafen. So mancher hat mir von einer sehr unruhigen Nacht dort berichtet. Auch jetzt stand heftiger Schwel im Hafen. Ich kannte ihn ja schon von der Hinfahrt und meine Kalkulation, dass ich gleich hinter der Mole einigermaßen Schutz habe und der Hafen zu dieser Zeit leer ist ging auf.  Für den nächsten Tag habe ich mir den Wecker auf 6 Uhr gestellt. Die ganze Nacht heulte der Wind aber das Schiff lag einigermaßen ruhig. Als der Wecker klingelte und ich den Kopf raussteckte, pfiff der Wind mit 20 – 25 Knoten durch das Rigg. Und draußen schäumte die See. Ich fühlte mich sehr einsam und ungemütlich und kroch wieder in meine Koje. Als ich dann um 8 Uhr nochmal rausschaute, war es nicht wesentlich besser aber was soll’s, achterlicher Wind, keine drohenden Unwetter und ein sicheres Schiff: also los.  Und es lief super. Um 19 Uhr zum Sonnenuntergang erreichte ich nach einer schönen Segeltour Ystad. Am nächsten Tag war wieder Flaute angesagt aber jetzt hatte ich mir in den Kopf gesetzt, zu Mamas Geburtstag der Überraschungsgast zu sein. Motor an und los. Nach 10 Stunden erreichte ich Klintholm.

Damit hatte ich Schweden verlassen und hier gab es auch wieder etwas Leben im Hafen. Das mit dem abrupten Abbruch der Sommersaison in Schweden Mitte August ist schon merkwürdig.  Da ist man dann doch schnell der letzte einsame Mohikaner. Hier nicht – hier klingt die Saison langsam aus.

Für den nächsten Tag war Ostwind mit 4-5 Bft. angesagt. Also 6 Uhr raus und los. 60 Meilen bis Burg.  Die Dünung auf der Ostsee war bei dem Wind ziemlich heftig und so rollte ich dann platt vor dem Laken  ab Gedser stundenlang dahin.  Burg erreichte ich um 17 Uhr. Schiff sicher vertäut, Segel eingepackt, Kuchenbude drauf, Rucksack gepackt und um 19.31 Uhr saß ich im Zug nach Bremen.

Pause.

Freitag Nachmittag geht es zum 91. Geburtstag nach Heide.

Auf dem Rückweg

Karlskrona, 7. September   Bildergalerie

Es ist viel Zeit vergangen seit dem letzten Bericht. Der Herbst kündigt sich an denn es ist ja auch schon September.  Wir waren in Mariefred, ein schöner kleiner Ort ähnlich Trosa. Schön liegen wir unterhalb von Schloss Gripsholm und natürlich suchen wir das Grab von Tucholsky auf.

„Nichts ist schwerer
und nichts erfordert mehr Charakter,
als sich in offenem Gegensatz zu
seiner Zeit zu befinden
und laut zu sagen: Nein!
Im Übrigen gilt ja hier derjenige,
der auf den Schmutz hinweist,
für viel gefährlicher als der,
der den Schmutz macht.
Kurt Tucholsky“

Auszug aus: Carl Hanser Verlag. „Der Krieg ist ein Menschenfresser.“ iBooks.

Auf dem Rückweg bleiben wir vor der Mälaren Brücke in Södertälje hängen.  Zur angesagten Zeit nach einer Stunde warten öffnet zwar die Brücke aber von außen kommt ein Kümo und wir bekommen kein Grün für die Durchfahrt.

Was tun? Die nächste Öffnung ist in 1,5 Stunden. Ich rufe an und frage was los ist. Angeblich hat er uns nicht gesehen. Wird wohl so sein. Er ist ganz freundlich, entschuldigt sich und öffnet unverzüglich die Brücke und auch durch die Schleuse kommen wir sofort danach.  So ein Telefon kann doch nützlich sein.

Wir fahren wieder in die Bucht, in der wir auch schon auf dem Hinweg übernachtet haben und am nächsten Tag bringt uns eine frische Brise nach Nyköpping. Auf dem Weg sehen wir einen großen Raubvogel am Strand einen Fisch verspeisen.

Hier muss Doro mich leider verlassen. Die Ferien sind zu Ende. Entsprechend gedämpft ist die Stimmung in den letzten beiden Tagen. Wir besichtigen noch die Festung. In einer wirklich schön gemachten Ausstellung wird das Leben in der Burg im Mittelalter dargestellt. Die dargestellten Scenen sind sehr anschaulich und ein Besuch lohnt sich sehr.

Morgens um 6 Uhr bringe ich Doro zum Bus nach Skavsta. Die Fahrt zum Flughafen dauert  15 Minuten, wirklich sehr nah. Ich gehe etwas bedrückt zurück zum Schiff. Die nächste Phase des allein Segelns beginnt. Der Anfang ist nicht leicht. Obwohl ich mir immer wieder versuche einzureden, dass ich mir eine schöne Rückfahrt mache, mit neuen Häfen und Erfahrungen, fällt mir der Anfang schwer. Ich bin nicht so motiviert und möchte im Moment eigentlich auch nach Hause.

Aber davor liegen noch ca. 500 Meilen. Ich lege ab und schaffe am ersten Tag davon 50. Immer noch weit. Nach einer einsamen Nacht in einer Bucht (Torroe) geht es am nächsten Tag nach Vippholmen, dort war ich schon auf der Hinfahrt. Es war die Bucht, in der ich das Schiff der Schweden vom Felsen weggezogen  und nach Västerwik geschleppt habe. Ich legte mich wieder an die SKX Mooring und habe so keine Sorge, dass bei dem über Nacht auffrischendem Wind und Gewitter mein Anker nicht halten könnte. Morgens bläst es immer noch ordentlich und ich warte mit dem Ablegen bis 9 Uhr. Für die Weiterfahrt muss ich die geschützten Schären verlassen und es erwarten mich sehr hohe Wellen. Gefühlte 3 Meter. Muss ich das?? Nein!! Ich drehe um, hänge mich wieder an die Mooring und warte. Ich will ja eine schöne und stressfreie Rückfahrt. Allmählich lässt dann der Wind nach und ich versuche es um 14 Uhr noch einmal. Die Wellen sind immer noch mächtig aber der Druck des Windes ist nicht mehr ganz so stark und der Wetterbericht verspricht weiter abnehmenden Wind und damit auch weniger Seegang. Ich nehme Kurs quer über den Kalmar Sund nach Sandvik. Weiter draußen ist die See ruhiger, der Wind nimmt weiter ab und die letzten Meilen fahre ich unter Motor.

Die Saison der Schweden ist am 15. August zu Ende und das ziemlich schlagartig. Auch Sandvik ist verlassen. Ich bin das einzige Gastschiff und kann mir eine von vielen Heckbojen aussuchen.

Am nächsten Tag weht es wieder Heftig und ich bleibe. Ich nutze die Zeit um den Dieseltank aufzufüllen. Es gibt eine Tankstelle in der Nähe und ich suche sie 3 mal auf, dann ist der Tank mit 20 l Portionen wieder voll. Diesel an der Autotankstelle ist ein Drittel billiger als an einer Bootstankstelle. 60 Cent pro Liter. Und auch das Holz bekommt einen weiteren Anstrich. Den Abend verbringe ich mit Jürgen. Er hat gerade angelegt und ist auch allein unterwegs. Er holt mich auf sein Schiff und versorgt mich mit Rum und Bier. Ich revanchiere mich am nächsten Morgen mit einer Frühstückseinladung. Wir hatten gute Gespräche. Ein Wiedersehen wäre schön. Mal sehen.

 

Für mich geht es weiter. Es sind 27 m bis Kalmar. Der Wind bläst leicht bis mäßig von vorn. Ich gewinne langsam meine Motivation zurück und freue mich darauf, einen Tag bei schönem Wetter gegen den Wind zu kreuzen.  Aus den anfänglichen 10 kn Wind wird nach einer Stunde mehr. Als der Wind nicht mehr unter 15 kn geht reffe ich das Groß. Als er immer um die 20 kn ist mit Spitzen bis 25 kn reffe ich die Fock dazu. Es geht aber es ist nicht gerade gemütlich. Auch die See wird immer ruppiger und häufig kommt Wasser rüber. Für 24 m in Richtung Kalmar segel ich 42 m an der Kreuz.  Kurz vor Kalmar wird das Fahrwasser4 immer enger und auf beiden Seiten liegen Untiefen. Ich berge die Segel und fahre den Rest mit Motor. Und das ist bei den Wellen mehr als unangenehm. Für die restlichen 3 Meilen stampfe ich nochmal 1 Stunde gegen Wind und Wellen. Segeln geht eindeutig besser. Als ich festgemacht habe, bin ich ziemlich groggy.

Hurra, ich kann in Kalmar meine Gasflasche  tauschen. Das sparen mit Gas hat ein Ende. Wieder kochen ohne Angst, dass das Gas alle ist. Und morgen ist auch noch was da. Die ganze Zeit über haben wir vorher schon häufig mit dem Cobb gekocht. Erst die Kartoffeln, dann das Fleisch, dann Wasser für den Tee und mit der Restwärme Wasser für den Abwasch. Geht ganz gut aber nimmt nicht die Sorge morgens keinen Kaffee mehr kochen zu können. Die Gasfüllung kostet in Schweden 33 €, in Deutschland 8,50 €. Nur zur Information! Aber teurer Kaffee ist immer noch besser als kein Kaffee oder Tee.

Der Wind ist weg, ich gönne mir einen Tag mit Motor. Ziel ist Kristianopel. In der letzten Stunde frischt der Wind mächtig auf. Schnell ist er von 0 auf 20 kn und mehr und schnell entstehen heftige Windwellen. Diese Wellen kombiniert mit der immer vorhandenen Dünung durch die offene Ostsee sind sehr ungemütlich und bremsen das Schiff stark ab. Ich bin froh als ich Kristianopel erreiche und im Hafen ist es fast windstill. Ich blicke zurück und frage mich erstaunt: was ist das, kein Wind mehr? Mit dem Fernglas sehe ich dann aber, wie draußen die See tobt und weiße Köpfe überall sichtbar sind.

Kristianopel ist ein süßer kleiner Ort. Wie in den 50er Jahren stehengeblieben. Hier haben die Dänen um 1600 eine große Festung gebaut als Gegenpol zu Kalmar. Die dänisch-schwedische Grenze verlief damals etwas südlich von Kalmar. Die Festung hat aber nicht lange gehalten. Nach ein paar Mal hin und her haben die Schweden so um 1670 alles platt gemacht. Es muss eine mächtige Anlage gewesen sein.  Und auch erwähnenswert ist die Kirche. Und was auch immer wieder erstaunlich ist: Überall findet man die deutsche Sprache in den Kirchen. Die kirchliche Macht in Norddeutschland mit Sitz in Bremen hat ihre Krakenarme weit ausgestreckt. Trotzdem, die Kirche ist innen bemerkenswert schön. So ist der Hafen wohl auch bei  deutschen Seglern sehr beliebt und es gibt sehr viele Gastplätze. Jetzt liegen die roten Heckbojen alle verlassen da.

Es stürmt und regnet am nächsten Tag und ich bleibe.  Diesmal stürmt es selbst im Hafen so dass ich eine Sorgleine an Land lege um das Schiff sicher zu halten. Die Lage ist zwar feucht und kühl aber nicht hoffnungslos. Die nächste Woche verspricht besseres Wetter. Ich fahre am nächsten morgen – der Wind hat auf für mich günstig auf Nordwest gedreht – noch die 25 m bis Karlskrona. Von hier habe ich einen guten Ausgangspunkt um über die gefürchtete Hanöbucht zu kommen. Doch davon später mehr.

Nach dieser Woche habe ich mich wieder an das Alleinsein gewöhnt. Zwar zieht es mich immer noch mächtig nach Hause aber ich kann die Reise wieder genießen und freue mich auf das gute Wetter in den kommenden Tagen.

Schären 2

Gallnö, 13.8.2015   Bildergalerie

Von Stockholm ging es nach Napoleonviken. Angeblich kommt der Name daher, dass Napoleon hier mit seiner Flotte halt gemacht und gebadet hat. In Dalarö legen wir kurz an um uns im Supermarkt zu versorgen und Wasser zu holen um dann weiter zum Ankern in die schöne Bucht Kolnäsviken auf Ornö zu segeln. Wir ziehen die Kleine Brise mit dem Schiff der Berliner zusammen und grillen auf unserem Cobb Lachs und Entrecote. Dazu trinken wir reichlich Rotwein. Das führte leider dazu, dass wir nicht genügend Aufmerksamkeit auf die Mücken gelegt haben und ich war am nächsten Morgen reichlich zerstochen. Mein Auge war so dick, dass ich kaum damit gucken konnte. Das passiert mit nicht noch einmal!

Die nächste Station war Utö. Ein beliebter Ausflugsort der Stockholmer. Restaurants, Butiken, viele Schiffe und wunderschön.  Die Menschenmassen in Schweden halten sich ja zum Glück in erträglichen Grenzen und wo es schön ist wollen eben alle hin. Wir machen eine schöne Fahrradtour ans Ende der Insel zu einem romantischen Cafe  - dem Bootshaken. Nachdem es bisher noch öfter geregnet hat, wird das Wetter jetzt endlich besser und beständiger. Die Schweden sagen, es war der schlechteste Sommer bisher seit 18 Jahren. Kann ich nicht beurteilen. Ich hab zwar auch besseres Wetter erwartet aber gefallen hat es mir bisher trotzdem.

Wir trennen uns hier von Klaus und Anne – es war eine schöne gemeinsame Zeit und vielleicht gibt es ein Wiedersehen – man kann nie wissen. Wir steuern die Bucht im Norden von Nämdö an, bleiben wieder zwei Nächte und segeln weiter gemächlich nach Sandhamn.  Sandhamn ist das Segelmekka der Stockholmer Schären. Hier treffen sich die Reichen und die Schönen. Hier muss man einmal hin. Und es gefällt uns sogar. Die Insel ist sehr schön, Wälder und wirklich guter Sandstrand. Dazu lesen wir natürlich die Krimis von Viveca Sten. Sie spielen in Stockholm und auf Sandhamn. „Die Toten von Sandhamn“ zum Beispiel. Auf der Insel ist viel Trubel, am Freitagabend wird auf vielen Schiffen reichlich gefeiert und getrunken und das geht bis in den frühen Morgen. Wir lassen uns nicht stören und haben unseren Spaß an dem Treiben. Dazu reichlich Hafenkino und schöne Bilder von den Regattastarts.

Von dort sind wir weiter in Richtung Möja in einer schönen Bucht im Kaeringsholmsundet gelandet.  Dort haben wir 2 Nächte verbracht bevor wir dann in Möja auf Eva, Janka, Inga und Lewis gewartet haben. Sie blieben 2 Tage an Bord und es war sehr schön mit ihnen. Schade, dass sie nicht länger konnten. Wir sind zusammen nach Paradiesviken gesegelt und dann haben wir sie am nächsten Tag nach Sollenkroka zurück gebracht zu ihrem Auto. Sehr viel Aufwand für 2 Tage segeln. Auch wenn es gefühlt länger war. 

Eine große Ehre für uns, dass sie das  auf sich genommen haben. Ich denke aber, es war auch alles neu und unbekannt für sie und eher vorsichtig geplant mit vielen Zwischenschritten wie 2 Übernachtungen in Stockholm. Beim nächsten Mal wissen alle wie es geht und wir planen es gemeinsam effektiver.

Nachdem wir sie am Fähranleger abgesetzt haben sind wir nach Gallnö. Auch schön – ich mag’s bald nicht mehr sagen. Das Besondere: in der Bucht schwamm ein Seehund oder eher eine große Robbe und war auf der Jagd nach Fisch.  Es war so ca. 19 Uhr. Am nächsten Tag um die gleiche Zeit kam er wieder und wir sahen ihn mit einem großen Fisch im Maul.

Morgen werden wir entscheiden, ob wir weiter nach Norden Segeln oder in die Mälaren. Das Schärengebiet um Trosa ist auch sehr reizvoll. Mal sehen.

 

 

Mariefred

Mariefred, 23.08.15

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Die Bucht in Gallnö ist bezaubernd schön und gut geschützt. Beim Einlaufen sehen wir eine Robbe, die munter ihre Runden dreht.  Wir finden eine schönen Platz und werfen den Anker. Es sind nicht mehr als fünf Schiffe in der Bucht. Am nächsten Morgen wandern wir durch den Wald und über schöne Wege in den Ort. Hier ist wirklich Bullerbü: ein Laden mit einem frischen Obst- und Gemüsestand ein Sommercafegarten mit Anleger und rote Häuschen. Abend kommt die Robbe wieder vorbei und fängt einen fetten Fisch. Sie scheint hier ansässig zu sein.

Nach 2 Tagen mit tollem Sommerwetter geht es weiter nach Säk. Auch diese von Felsen gesäumte Bucht ist super geschützt und bilderbuchmäßig. Wir liegen am Felsen und freuen uns darüber – ankern nach Schwedenart!

Entgegen unserem Vorhaben weiter nach Norden zu segeln und durch den Mälaren zu gehen, entscheiden wir uns für den Südkurs. In Dalarö tanken wir Wasser, laden die Batterien auf und bunkern Vorräte. Der Hafen ist klein und fein und für uns gut windgeschützt. Das Wetter ist immer noch sommerlich warm und wir bummeln durch das schöne Dalarö mit seinen hübschen Holzhäusern. Beim Fischhändler kaufen wir frischen Lachs für den Grill und der Bäcker dreht uns gleich 5 von den leckeren Kanelbullar an. Der Wind frischt weiter auf und schiebt uns mit 5-6 Knoten achterlich weiter nach Ranö. Ranö schließt sich an die Schärenkette Nämdö, Ornö und Utö an und bietet uns eine sichere Ankerbucht auf der Ostseite an. Auch hier werden wir beim Einlaufen von einer Robbe begrüßt. In der Dämmerung passiert es dann: zwei schwimmende ELCHE! Nicht weit von unserer Ankerstelle queren sie die Bucht und verschwinden im Wald. Es gibt sie also doch! Unsere ersten Elche in freier Natur und dann auch noch schwimmend!

 

Von Ranö aus segeln wir Richtung Öja, die südlichste Schäre des Stockholmer Schärengartens. Die Schären sind hier am äußersten Rand des Schärengartens weniger bewaldet. Alles wirkt ein bisschen rauher. Wir verbringen einen Sonnentag in Solviken, leider treibt uns der Schwell der nahen offenen See am nächsten Morgen schnell weiter.

Wir landen in Norrhamn auf Öja. Öja ist voll von alten Befestigungsanlagen aus der Zeit des Kalten Krieges. Erst 1990 wurde die Insel frei zugänglich, nachdem die Anlagen still gelegt waren. Landsort ist toll erhalten mit seinen schönen natürlich falunroten Häusern. Besonders  eindrucksvoll sind die vielen Kunstobjekte, die uns auf unserem Spaziergang über die Insel begleiten. Die Skulpturen sind von Künstlern gemacht, die auf Öja leben. Sie bilden einen guten Kontrast zu den alten Militäranlagen. Der schöne Leuchtturm Öjas ist der älteste Leuchtturm Schwedens. Einem noch älteren Leuchtturm in Südschweden wurde diese Ehre der älteste zu sein nicht zuteil, da das Gebiet damals zu Dänemark gehörte.

Ein sympathisches Paar aus Augustenborg lag im Hafen neben uns. Beiläufig erzählten wir, dass unser Motor nicht immer gleich anspringt, wenn das Schiff etwas länger gelegen hat. Sie kannten das Problem und meinten es rühre daher, dass die Wasserentlüftung des Motors im Schwanenhals nicht funktioniere und beim Ausschalten Wasser in den Motor laufe, da der Motor unterhalb der Wasserlinie liegt. Das Wasser im Motor verhindere das Anspringen, weil keine Zündung stattfinden kann. Das könne dazu führen, dass der Motor kaputt geht, weil das Öl sich mit Wasser vermischt. Uwe hat sich gleich an die Arbeit gemacht und die Lüftung wieder in Stand gesetzt, die ein Mechaniker bei einer Motorwartung abgeklemmt hat. Er war der Meinung der Motor läge hoch genug und damit wäre eine Entlüftung nicht nötig. Auch 2 Ölwechsel hat Uwe innerhalb kürzester Zeit durchgeführt. Besser ist das wohl – nicht nur für das Gefühl!

Das Wetter bleibt weiter warm und sonnig und wir haben noch eine Woche Zeit – wie schön!  Also doch noch nach Mariefred in den Mälaren, Tucholsky besuchen. Nach einer gemütlichen Tour mit wenig achterlichen Wind, ankern wir 5 sm vor Södertälje in einer schönen Bucht. Wie in fast jeder Bucht bade ich in dem herrlichen sauberen Wasser, diesmal sind es schon 18,6 Grad. In Söderttälje ist Party – Kringelfestivalen. Sängerin Loreen ist um 22.00 Uhr on stage. Wir erfahren, dass sie den Eurovision Song Contest 2012 für Schweden mit dem Lied “Euphoria“ gewonnen hat. Die Stadt ist voll – alles ist auf den Beinen, besonders viele junge Leute und Familien mit kleinen Kindern sind unterwegs. Die Kulturenmischung ist so, wie wir sie aus Bremen kennen.

Wir segeln weiter in die Mälaren und landen nach einer Nacht vor Anker im wunderschönen Mariefred. Dort besuchen wir das Grab von K. Tucholsky:

 

Krieg dem Kriege


Sie lagen vier Jahre im Schützengraben.
Zeit, große Zeit!
Sie froren und waren verlaust und haben
daheim eine Frau und zwei kleine Knaben,
weit, weit –!

Und keiner, der ihnen die Wahrheit sagt.
Und keiner, der aufzubegehren wagt.
Monat um Monat, Jahr um Jahr ...

Und wenn mal einer auf Urlaub war,
sah er zu Haus die dicken Bäuche.
Und es fraßen dort um sich wie eine Seuche
der Tanz, die Gier, das Schiebergeschäft.
Und die Horde alldeutscher Skribenten kläfft:
»Krieg! Krieg!
Großer Sieg!
Sieg in Albanien und Sieg in Flandern!«
Und es starben die andern, die andern, die andern ...

Sie sahen die Kameraden fallen.
Das war das Schicksal bei fast allen:
Verwundung, Qual wie ein Tier, und Tod.
Ein kleiner Fleck, schmutzigrot –
und man trug sie fort und scharrte sie ein.
Wer wird wohl der nächste sein?

Und ein Schrei von Millionen stieg auf zu den Sternen.
Werden die Menschen es niemals lernen?
Gibt es ein Ding, um das es sich lohnt?
Wer ist das, der da oben thront,
von oben bis unten bespickt mit Orden,
und nur immer befiehlt: Morden! Morden! –
Blut und zermalmte Knochen und Dreck ...
Und dann hieß es plötzlich, das Schiff sei leck.
Der Kapitän hat den Abschied genommen
und ist etwas plötzlich von dannen geschwommen.
Ratlos stehen die Feldgrauen da.
Für wen das alles? Pro patria?

Brüder! Brüder! Schließt die Reihn!
Brüder! das darf nicht wieder sein!
Geben sie uns den Vernichtungsfrieden,
ist das gleiche Los beschieden
unsern Söhnen und euern Enkeln.
Sollen die wieder blutrot besprenkeln
die Ackergräben, das grüne Gras?
Brüder! Pfeift den Burschen was!
Es darf und soll so nicht weitergehn.
Wir haben alle, alle gesehn,
wohin ein solcher Wahnsinn führt –

Das Feuer brannte, das sie geschürt.
Löscht es aus! Die Imperialisten,
die da drüben bei jenen nisten,
schenken uns wieder Nationalisten.
Und nach abermals zwanzig Jahren
kommen neue Kanonen gefahren. –
Das wäre kein Friede.
Das wäre Wahn.
Der alte Tanz auf dem alten Vulkan.
Du sollst nicht töten! hat einer gesagt.
Und die Menschheit hörts, und die Menschheit klagt.
Will das niemals anders werden?
Krieg dem Kriege!
Und Friede auf Erden.

Stockholm

Gallnö, 13.8.2015  Bildergalerie

Es ist der 23. Juli und Doro kommt mit Ryan Air nach Stavsta (Nyköping) und dann mit dem Bus nach Stockholm. Wir sind gerne dort. Der Wasahafen liegt direkt am Wasamuseum, es sind 30 Min. zu Fuß ins Centrum und nach Gamla Stan. Wir nehmen die Fahrräder, fahren in die Stadt, besuchen den Skulpturenpark von Milles, lassen uns durch Gamla Stan treiben und genießen die tolle Atmosphäre von Stockholm. Bisher war immer Kopenhagen ein Highlight unserer Reisen nach Skandinavien aber Stockholm kann es unbedingt toppen. Diese Stadt muss man besucht haben.  Die zahlreichen Museen haben wir uns für spätere Besuche aufgespart – uns reichte es erst einmal, dass bunte Treiben in der Stadt zu genießen, Leute anzuschauen, im Park Musik zu hören und durch die Altstadt zu schlendern.

Wir haben Klaus und Anne aus Berlin wiedergetroffen und sind mit ihnen eine Zeitlang zusammen weitergesegelt. Seitdem bummeln wir langsam durch die herrliche Schärenlandschaft. Meistens bleiben wir 2 Nächte, wandern über die Inseln, fahren Fahrrad und versorgen uns mit gutem Essen.