Segeln 2018

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Für dieses Jahr war geplant, das Teakdeck zu restaurieren, die Schrauben zu entfernen und die Fugen neu zu vergießen. Deshalb kam das Schiff am 25. April ins Wasser und wurde rechtzeitig zum Anfang Mai nach Kappeln gebracht. Dort wurde es wieder an Land gekrant und in eine Halle verholt.  
Micha, Simion und Fabian machten sich an die Arbeit und nach 4 Wochen kam die Kleine Brise runderneuert und in neuem Glanz wieder ins Wasser.  

 

- Das Teakdeck sieht aus wie neu, alle Schrauben sind raus, die Propfen neu verklebt mit dem Deck, die Fugen ausgefräst und neu vergossen, alles abgeschliffen. 

- Das Unterwasserschiff wurde komplett abgekratzt und der Unterwasseranstrich neu aufgebaut

- Eine neue Heizung wurde eingebaut, eine Planar aus Russland, die nur ein Drittel kostet wie eine Webasto

- 2 Seeventile wurden ausgetauscht - Eine Bilgepumpe wurde installiert und an den Ausgang der Handpumpe angeschlossen

 

Nach mir streckte zwischenzeitlich der Teufel seine Krallen aus. Ich musste 4 Tage ins Krankenhaus und ein bisschen Fleisch opfern. Dann gab es wieder grünes Licht, alles ist ok, kein weiterer Befund.
Sehnsüchtig wartete ich auf den Tag, endlich abzulegen und in Richtung Schweden zu starten. Am 13. erhielt ich den erfreulichen Befund, nachmittags ging‘s mit Georg nach Kappeln, abends feierten wir mit Reinhard, Liane, Micha; Simion und Georg den erfreulichen Ausgang der OP, den Abschluss der Sanierung und den Start nach Schweden. So viele erfreuliche Anlässe.
Die Wetterprognose war hervorragend, mäßiger anhaltender Wind aus westlichen Richtungen. Wir starteten am 14. Juni morgens um 9 Uhr. Ziel Bornholm. Der Wind blies stetig mit etwa 5 Bft. und wir setzten das kleine Sturmsegel und hatten ein Reff im Groß. Mit 5 bis 6 Knoten kamen wir gut voran.  
Eine unruhige See und die Aufregungen der letzten Tage bewirkte wohl, dass wir beide Seekrank wurden. Wir hielten trotzdem durch. Es war ja nicht viel zu tun. Die Windfahne steuerte, die Windrichtung stimmte. Lästig war, dass wir ein paar Arbeiten am Rigg durchführen mussten und bei Seekrankheit ist jede Aktivität ein enormer Kraftakt und kostet viel Überwindung. Am liebsten sitzt man nur da und leidet. Aber auch das ging vorüber. Nachmittags passierten wir Fehmarn und peilten Gedser an. Hier gab es plötzlich aus heiterem Himmel eine Winddrehung um 180 Grad mit heftigen Boen. Wir waren total überrascht und es dauerte ein paar Minuten bis wir überhaupt wieder eine Orientierung  hatten. Kam der Wind vorher von Steuerbord voraus, so dass wir gerade ohne zu kreuzen an den Windrädern entlang kamen, so kam er jetzt aus Backbord Raumschot.  Auch gut! Gegen Mitternacht passierten wir Gedser. Leider war es kein „segeln in weißen Nächten“ sondern pechschwarze Nacht. Schade.


Wir segelten parallel zur Kadettrinne in Richtung Ystad.  Es war viel Verkehr. Wie auf einer Perlenschnur passierten uns die großen Pötte. Gegen 2 Uhr 45 begann es langsam hell zu werden. Georg lag in der Koje und kämpfte mit der Seekrankheit. Ich saß draußen warm eingepackt und hielt Wache. Nachdem ich nach einem Blick auf die Uhr verwundert feststellte, wie schnell die Zeit vergeht (bin wohl doch eingeschlafen) holte ich mir den Wecker und stellte ihn immer auf 10 Minuten für einen Rundblick.
Kurz bevor es hell wurde bekam ich Begleitung. Ca. eine halbe Stunde lang begleiteten mich 2 Schweinswale. Immer wieder tauchten sie neben dem Boot auf und bliesen die Luft raus. Es war noch zu dunkel um sie immer zu sehen. Hören konnte man sie aber immer deutlich.
 Gegen 5 kam Georg aus der Koje, immer noch angeschlagen, und übernahm die Wache. Ich ging für eine Stunde schlafen. Und danach nochmal eine Stunde, dann war ich wieder einigermaßen fit. Die Windfahne steuerte unermüdlich und wir näherten uns Ystad. Das Ziel Bornholm gaben wir auf denn wir wollten dort nicht nachts ankommen. So gegen 11 Uhr machte sich die Seekrankheit langsam davon und unsere Lebensgeister erwachten wieder. Gegen 16 Uhr erreichten wir Ystad. Wir waren 150 sm gesegelt in 30 Stunden. Im Schnitt mit einer Geschwindigkeit von 5 Knoten. - Nicht schlecht, oder?

Bei der Einfahrt nach Ystad lief der Motor merkwürdig unruhig und bei einem Blick in den Motorraum stellten wir fest, dass Diesel aus den Dichtungen am Motor kam. Das beunruhigte uns doch sehr und nachdem Versuche, die Schrauben fester anzuziehen keinen Erfolg brachte, beschlossen wir, einen Mechaniker zu finden. Es war Freitag Nachmittag und entsprechend erfolglos waren wir. Aber vom Hafenmeister erhielten wir die Information, dass es in Skillinge eine Werft gibt die uns am Montag früh sicher helfen würden. Skillinge liegt auf dem Weg in die Hanöbucht und so cancelten wir Bornholm und segelten nach Skillinge. Und mit der Werft hatten wir auch Erfolg. Ein Mechaniker kam und nach 4 Stunden hatte er mit seufzen und stöhnen die Dichtungen erneuert.
Er kam mit einem Engländer (das Werkzeug für alle Fälle), ging zwischendurch 5 mal zur Werft und hatte am Ende den Inhalt eines ganzen Werkzeugkastens geholt. Vielleicht nicht effektiv – aber erfolgreich. Der Motor schnurrt wie früher und springt auch wieder auf Anhieb an. Das tat er schon lange nicht mehr.

Wir legten ab und steuerten die 30 sm entfernte Insel Hanö an. Eine wunderschöne Insel und der erste Kontakt mit den Felsen und Schären in Schweden. Auf der Insel leben 40 Menschen und haufenweise Feriengäste im Sommer. Wir machen sofort einen kleinen Rundgang denn am nächsten Tag wollen wir weiter in Richtung Kalmar Sund. Der Wind legt zu und hört auch die ganze Nacht nicht auf. Kaum einer verlässt den Hafen. Bei West bis Nord wird es hier allerdings immer ungemütlicher weil der Schwell in den Hafen kommt und die Boote anfangen zu tanzen. Ich hab das schon erlebt. Wir legen ab und nehmen Kurs auf Karlskrona, 35 sm. Und es läuft hervorragend. Zwar schaukeln uns die Wellen ordentlich durch aber immer noch besser als im Hafen. Karlskrona liegt weit in den Schären und es wird immer ruhiger bis wir ohne Welle und viel Wind rauschend unser Ziel erreichen.

 

Noch eine Etappe von 55 sm und wir sind in Kalmar. Unser erstes richtiges Etappenziel, 330 sm von Kappeln. Eine (be)rauschende Fahrt nur unter Segeln mit viel Wind immer aus der richtigen Richtung.
In Kalmar mache ich Bekanntschaft mit dem schwedischen Gesundheitssystem. Ich muss mir die Fäden von der OP ziehen lassen. Also frage ich im Touristenbüro nach einem Arzt. OK, kein Problem, sie rufen an, ich werde zurückgerufen. Kann ne Stunde dauern. Na gut denke ich, sie werden wissen was sie tun. Ich warte, keiner ruft an – doch, es klingelt. Es ist das Touristenbüro, sie können niemand erreichen, ich soll morgen früh nochmal kommen. Klingt alles merkwürdig.
Am nächsten Morgen gehe ich wieder hin.  Sie rufen wieder an und nach längerem Warten (wie bei der Hotline der Telekom), ist jemand dran. Ich erhalte die Information, ein Gesundheitszentrum wird mich in 10 Minuten anrufen und einen Termin vereinbaren. Und sie zeigt mir schon mal wo ich hingehen muss.  Ich warte, kein Anruf, ich gehe schon mal hin, gehe rein und zur Rezeption. Schildere mein Problem, sage, dass ich auf den Anruf warte. Ab jetzt läuft alles hervorragend. Meine Daten werden aufgenommen, alle sind sehr freundlich, ich erhalte einen Termin am Mittag und wir gehen das Schloss besichtigen. Eine Ausstellung von Leonarde DaVinci, sehr interessant. Sie stellen die Maschinen von DaVinci aus, nachgebaut nach seinen Zeichnungen. Ein erstaunlicher Künstler. Wir bestaunen das erste Auto der Welt.  
Um 13 Uhr gehe ich zum Gesundheitszentrum, die Fäden werden gezogen, alles ist bestens. Der Tag ist verregnet, es ist ungemütlich draußen – uns geht es gut. Georg kocht immer lecker, wir schlafen, lesen essen. Was woll‘n wir mehr?

 

Jetzt sind wir in Sandvik, 30 Meilen weiter auf Öland. Wir besichtigen eine alte Mühle und besuchen einen Steinbruch um Fossilien zu suchen. Es gibt sie hier reichlich. Und wir finden viel. Leider sind sie in großen Felsblöcken und wir können nichts mitnehmen. Und wir sind wohl nicht die ersten, die hier suchen – aber ein paar kleine Teile finden wir doch noch.  
 

Der Wind hat ordentlich zugelegt und kommt mit 6 Bft. über die Kaimauer. Der in den Hafen laufende Schwell bringt die Boote ordentlich zum Schaukeln. Da wir aber frei mit Bugleinen und Heckboje hängen reibt und scheuert nichts und wir werden sanft in den Schlaf geschaukelt. Nach einem guten Essen und einem oder zwei Glas Wein versteht sich.
Am nächsten Morgen ist Sommer, leuchtender schwedischer Sommer. Sonnig, klar und frisch – herrlich. Putzen ist angesagt. Wir beseitigen die letzten Spuren der Schiffssanierung und polieren den Decksaufbau. Die Kleine Brise strahlt in der schwedischen Sommersonne.
 

Dann noch was: wir sind ja hiergeblieben um in der Pizzeria das Spiel Deutschland gegen Schweden anzusehen. Ich probiere nochmal den  DVB-T Empfänger für den Laptop aus und siehe da, es funktioniert jetzt doch. Wir können das Spiel an Bord sehen. Also keine Angst vor Prügel falls Deutschland gewinnt.  Was wir doch hoffen damit es spannend bleibt – und jetzt wo wir gucken können erst recht.
Für die nächsten Tage ist herrliches Sommerwetter angesagt. Die Sonne ist da, der Wind ist weg. Es weht noch eine leichte Brise aus Nord und die nutzen wir am nächsten Morgen aus. Sie reicht um 4 – 5 Knoten fahrt zu machen. Nur leider kommt er aus der Richtung in die wir wollen.  Aber er meint es gut mit uns und dreht immer weiter aus Ost so dass wir fast direkt unser Ziel erreichen können.
Unser Ziel ist Vippholmen. Eine gut geschützte Bucht am Anfang des Schärengartens von Västervik. Hier war ich schon mehrfach. Vor zwei Jahren hab ich hier eine schwedische Familie vom Felsen weg geschleppt und dann nach Västerwik begleitet und dort wieder in den Hafen geschleppt. Die Schraube hatte sich gelöst und sie konnten nicht mit dem Motor fahren.
Unsere erste Nacht vor Anker. Wir genossen die Ruhe. Am nächsten Morgen war dann endgültig Schluss mit dem Wind. Er wehte leicht mit 2-4 Knoten von vorn. An kreuzen war nicht zu denken.

 

Also 16 Meilen bis Västervik. Dort ging Georg einkaufen und ich baute die Ankerwinsch aus. Beim letzten Aufholen des Ankers schrie sie laut quietschend nach Getriebeöl.  Also baute ich sie aus, füllte ausreichend Öl ein, baute sie wieder ein und war gerade fertig als Georg zurückkam. Wir legten wieder ab und tuckerten 16 Meilen weiter bis Batsviken.  Auch eine mir schon bekannte wunderschöne Bucht. Hier hatte ich vor zwei Jahren meinen ersten Kontakt mit den Steinen am Grund weil ich vor lauter Begeisterung nicht auf den Kurs geachtet hatte. Wir ließen den Anker fallen, grüßten unsere Nachbarn und wer wars? Wilfried Erdmann mit Astrid und ihrer Kathena Nui, mit der er vor ein paar Jahren in 272 Tagen die Erde nonstop gegen den Wind umrundet hatte. Ich habe wohl alle Bücher von ihm gelesen und bewundere seine Leistung. Vor allem aber mag ich seinen Schreibstil.  Und er ist wohl Frühaufsteher. Am nächsten Morgen um 7 Uhr war er jedenfalls schon weg.

 

Wir sind auch los mit dem wunderschönen Ziel Harstena. Erst ein Rundgang durch den Ort, dann weiter und in der Lagune mit dem Bug am Felsen. Der Ort ist bezaubernd und nirgends sitz man besser als bei dem Bäcker mit Blick auf die Schärenlandschaft und die roten Seerosen.

 

 Nachdem wir von Vipholmen bis Harstena ca. 60 sm unter Motor gegen den leichten Wind fahren mussten konnten wir wieder segeln. 8 sm vor Nyköping liegen wir sicher im Windschatten einer hohen bewaldeten Küste vor Anker. Nach einem gründlichen Blick auf den Wetterbericht haben wir nochmal verholt damit wir über Nacht bei Winddrehung nicht auf Legerwall liegen. Der Ankerplatz ist zwar sehr schön aber man hört draußen doch deutlich die Geräusche vom Stahlwerk von Öxelsund. Nicht das, was man hier sucht: Ruhe und Natur. Morgen früh geht’s nach Nyköping zum Crewwechsel. Doro kommt mit Ryanair aus Bremen und Georg fliegt mit derselben Maschine dorthin zurück. Ich freue mich auf meinen Schatz.